Wie Leader mit jedem Wort Einfluss nehmen– neue Studie zur Beinflussbarkeit

Wie Leader mit jedem Wort Einfluss nehmen– neue Studie zur Beinflussbarkeit

Ermunternde Worte und die Tonlage des Vorgesetzten beeinflussen Teams und Mitarbeitende positiv, sind Worte und Ton hingegen negativ, bremsen sie. Und es ist unbestritten, dass das Verhalten der Mitarbeitenden den Unternehmenserfolg bestimmt. Somit lässt sich sagen, dass die Leader den Unternehmenserfolg mit jedem Wort beeinflussen. Nichts Neues für Sie und schon hundertfach gehört? Umso erstaunlicher also, dass viele Vorgesetzte agieren, als wären sie in Unkenntnis dieser Fakten. Vorgesetzte haben grossen Druck, meistens zu viel Arbeit und zu wenig Zeit. Der Grund für das suboptimale Verhalten der Vorgesetzten ist in den wenigsten Fällen Ignoranz, sondern eben jener herrschende Druck und Stress.

Dennoch lohnt es sich, sich zumindest kurz mit dem Thema auseinanderzusetzen. Hier habe ich eine kürzlich publizierte Studie, die vor Augen führt, wie stark wir emotional durch die Stimme beeinflussbar sind - ein „hard fact“ und nichts Esoterisches:

Zusammenfassung der Studie:

Der Pariser Wissenschaftler Jean-Julien Aucouturier und sein Team liessen über hundert Probanden einen Text laut vorzulesen, wobei sie ihre eigene Stimme über Kopfhörer hörten. Was die Probanden nicht wussten, war, dass der Ton im Kopfhörer verändert wurde, sodass ihre Stimme traurig, glücklich oder ängstlich klang. Die Veränderungen waren so minim, dass die Probanden diese künstliche Veränderung nicht bemerkten. Faszinierend dabei war, dass die Gemütslage der Probanden damit positiv und negativ beeinflusst wurde, entsprechend der manipulierten Klangfarbe des Gesprochenen. Die Veränderung der Verfassung der Teilnehmenden nach dem Vorlesen und Hören des Textes wurde subjektiv festgestellt – und was mich persönlich besonders freut – auch objektiv gemessen. Dazu wurde die bewährte Methode der Hautleitfähigkeit angewendet. Diese wird standardmässig in Universitäten bei Stressstudien genutzt,  und ist einer der Messlinien bei Lügendetektoren. Die Messungen bestätigten die subjektiv festgestellten Gemütsveränderungen.

Aucouturier und sein Team ziehen daraus den Schluss, dass der Mensch seine Stimme und Tonlage beim Sprechen nicht - wie bisher angenommen - anpasst oder überprüft, um die aktuelle Gemütslage zu reflektieren. Ausserdem scheint unsere eigene Stimmlage uns selbst zu beeinflussen.

Das lohnt sich mitzunehmen:

Diese Studie ist eine erneute Bestätigung dafür, wie sensibel unser Unterbewusstsein auf äussere Zeichen reagiert. Dies ist umso wichtiger, da man aus anderen Studien weiss, dass unsere Gefühlslage sowohl unser Verhalten als auch unsere Entscheidungen stark beeinflusst.

Das Bewusstsein um unsere eigene Beeinflussbarkeit und diejenige unserer Gegenüber ist ein wichtiger erster Schritt. Nun folgt der zweite, in dem es darum geht, an uns zu arbeiten und diese Erkenntnis in Form von positiver, motivierender Sprache und Tonlage gegenüber unseren Mitarbeitenden und Teams umzusetzen.

Ganz konkret: Machen Sie ein mentales Timeout, bevor Sie in der Sitzung Ihr Team ansprechen. Überlegen Sie sich, was Ihr Team von Ihnen braucht, um sich motiviert und gut zu fühlen. Das ist auch bei schlechten Nachrichten möglich. Auch wenn Sie eine Spar-Runde ankündigen müssen, können Sie z.B. mehr erreichen mit einer Mischung aus Verständnis für die undankbare Aufgabe, der Notwendigkeit ihrer Unterstützung und der Zuversicht auf ein gutes Resultat.
Das Gleiche gilt auch für Gespräche mit Mitarbeitenden: Halten Sie vor dem Gespräch kurz inne und fragen Sie sich, wie Sie die Message positiv rüber bringen können.

Was Sie davon haben? Positive Auswirkungen in Ihrem Team bezüglich Mitdenken, Umsetzung und Zielerreichung. Und als Nebeneffekt vermutlich ein noch besseres Arbeitsklima. Versuchen Sie es doch einfach aus.

Proc. Natl. Acad. Sci USA 10.1073/pnas.1506552113, 2016

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